28.08.2025 11:42
Im Einsatz für Jugend und Sport
Martin Leemann aus Uttwil ist seit sieben Jahren Chef des kantonalen Sportamts. Für den leidenschaftlichen Sportler und gelernten Pädagogen waren die Schritte vom Sekundarlehrer zum Schulleiter und schliesslich vom Amt für Volksschule zum Chef des Sportamts ein natürlicher Prozess, bei dem es ihm immer um die Förderung von Jugend und Sport ging.
Uttwil Eines gleich vorweg: Wenn Martin Leemann von der Förderung von Jugend und Sport spricht, meint er nicht das Bundesprogramm J+S, sondern die umfassende Aufgabe, Sport und Bewegung im Thurgau breit abzustützen. Entsprechend klar ist seine Haltung zu den geplanten Budgetkürzungen bei J+S ab 2026: «Da würde am falschen Ort gespart. Ich hoffe sehr, dass auch das Bundesparlament dies so sieht.»
Ein Sport-Kanton
Im Kanton Thurgau sei man momentan sogar in der privilegierten Lage, dass man mit Geldern von Swisslos neue Projekte auf die Beine stellen könne, ohne Altbewährtes zu gefährden, sagt Martin Leemann: «Der Lotteriefonds ist ein Glücksfall für die Schweiz. Denn wir brauchen Geld im Sport, um etwas zu bewirken.»
Um zu zeigen, wo sich das Sportamt überall aktiv einbringt und was für ein breites Angebot es der Thurgauer Bevölkerung bietet, hat Martin Leemann seinen Computer mit ans Treffen am See in seiner Wohngemeinde Uttwil gebracht. Er kommt bei diversen Punkten beim Erklären der Webseite richtiggehend ins Schwärmen, so zum Beispiel bei der vor einigen Jahren lancierten Plattform «tg-aktiv.ch»: «Ist es nicht genial, dass man hier das ganze Angebot an frei zugänglichen Sportanlagen im Kanton auf einen Blick findet? Zudem kann auch nach Ortschaft oder einer bestimmten Aktivität gefiltert werden.»
Und auch für die Koordinationsbeiträge, die Thurgauer Unternehmen für die Ausbildung von jungen Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern erhalten, ist Martin Leemann Feuer und Flamme. «So können auch Jugendliche, für die eine KV-Lehre oder eine weiterführende Schule keine Option ist, Spitzensport und Ausbildung möglichst optimal aufeinander abstimmen», erklärt er die Absicht hinter dem vor zwei Jahren eingeführten Sportförderungsprogramm.
Selbstverständlich sei immer alles an Bedingungen geknüpft. Doch eines wird nach dem ausführlichen Vortrag über die vielfältigen Tätigkeiten und Angebote des Sportamts im Thurgau offensichtlich: Wer im Thurgau Sport machen will, der hat überall die Möglichkeit dazu. Und wer die Absicht hat, Sport auf höchstem Niveau zu betreiben, der darf im Kanton Thurgau auf Unterstützung des Sportamts zählen. «Unsere Hauptaufgabe ist es, den Sport im Thurgau zu fördern – und dies im Breiten- wie im Spitzensport, für Jung und Alt. Darum versuchen wir optimale Bedingungen zu schaffen, dass Frau und Herr Thurgauer sich bewegen», erklärt der Chef des Sportamts.
Mehr als Bewegung
Doch für Martin Leemann ist Sport viel mehr als nur eine Aktivität, die Bewegung fördert: «Einerseits ist Sport Prävention für die mentale und körperliche Gesundheit, andererseits aber auch eine Lebensschule.» Sport sei ein wichtiger Baustein für die Gesellschaft, denn übernehme er noch ganz andere Aufgaben als nur für Gesundheit zu sorgen. «Darum sind Sportvereine so wichtig für das gesellschaftliche Leben – gerade jetzt, in Zeiten, in denen das Besetzen von Ehrenämtern so schwierig ist», meint Martin Leemann. Gleiches gelte auch für Kultur und Kunst, denn überall dort werde etwas Sinnvolles mit Leidenschaft verfolgt.
Wegen dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe des Sports wird auch das Thema «Inklusion» beim Sportamt mit viel Respekt und Fingerspitzengefühl angegangen. Man hat das Gefühl, dass es im Thurgau tatsächlich nur eine einzige Sportfamilie gibt. «Bei uns gibt es grundsätzlich keine Kategorie 'mit Beeinträchtigung'. Wir wollen möglichst allen gerecht werden und niemanden vergessen», erklärt Martin Leemann.
Sport im Blut
Eine bessere Person für die Position des Chefs des Thurgauer Sportamts zu finden, dürfte schwierig sein. Denn Martin Leemann ist nicht nur lokal verankert und bringt einen «pädagogischen Rucksack» mit, sondern er lebt Sport: «Sport war schon immer meine grosse Leidenschaft. Er interessiert mich brennend, weshalb ich – wann immer möglich – unsere Thurgauerinnen und Thurgauer live oder in den Medien verfolge.» Gemeint sind damit nicht etwa nur die Spitzensportlerinnen und -sportler, sondern auch solche, deren Namen nicht häufig in den Medien zu finden sind. Denn Martin Leemann weiss auch bestens Bescheid über Wasserball, Bike OL, Ballonsport und andere Randsportarten: «Ich bin fasziniert von gelebter Begeisterung. Darum interessiere ich mich für jeden Sport.»
Er sei zwar selbst nur noch «Freizeitsportler», doch liefere ihm der Sport so aktive Erholung und einen wichtigen Ausgleich. Und auch seine «kreative Zone», in der wichtige Entscheidungen getroffen werden oder eine Rede für einen Anlass vorbereitet wird, «besucht» er während des Treibens von Sport: «Dann bin ich in meiner kreativen Phase und diktiere häufig meine Gedanken auf die Smartwatch.»
Sport sei ein wichtiger Bestandteil seines Lebens, beruflich sowie privat, weil Sport eine tolle Sache sei: «Das Umfeld im Sport ist einfach richtig cool, denn alle Beteiligten machen freiwillig mit. Darum herrscht überall im Sport eine Du-Kultur – und auch sonst ist alles lockerer.»
Martin Leemann könnte stundenlang über die positiven Seiten des Sports reden – und dies in jeder Sparte bis ins Detail, sei dies Spitzen-, Breiten- oder Schulsport. Die Begeisterungsfähigkeit des Sports, die ihn so fasziniert, wird von ihm vorgelebt. Darum ist er die richtige Person an der Spitze des Thurgauer Sportamts. Und es besteht berechtigte Hoffnung, dass der 52-Jährige dort noch eine Weile bleibt – denn ähnlich bequemes Schuhwerk wird Martin Leemann nicht in vielen anderen Berufen tragen können: «Es ist halt doch ziemlich cool, wenn man mit Sportschuhen zur Arbeit gehen kann.»
www.sportamt.tg.ch
Von David A. Giger