Floorball Thurgau ist im Aufwind. Jari Schneider, Geschäftsführer Floorball Thurgau, blickt auf die laufende Saison und die erstmalige Teilnahme am Champions Cup. Bild: Nico Wrzeszcz
07.10.2026 10:25
Erstmals auch international erfolgreich
Floorball Thurgau als Cupsieger für Champions Cup qualifiziert - Regeländerung sorgt für Diskussionen
In der Vorsaison gelang aus Sicht von Floorball Thurgau die grosse Sensation. Mit dem Cupsieg gelang dem Verein aus Weinfelden der erste Titel der Vereinsgeschichte. Damit hat man sich automatisch für den Champions Cup qualifiziert.
Unihockey Am vergangenen Donnerstag zog Floorball Thurgau trotz Niederlage gegen Mlada Boleslav in Tschechien ins Halbfinal des Champions Cup ein. Nach dem 6:4-Heimsieg gab es in Tschechien eine 4:1-Niederlage. Doch die Regelung besagt: beide Teams haben ein Spiel gewonnen, das Golden Goal muss zur Entscheidung führen. Und das erzielten die Thurgauer und zogen somit ins Halbfinal ein. Dort wartet nun der finnische Meister Nokian KrP. Doch viel Zeit zum Feiern blieb dem Team nicht.
Champions Cup fast boykottiert
«Die Mannschaft ist direkt nach dem Spiel aus Tschechien wieder zurückgefahren. Der eine oder andere musste am Freitag schon wieder arbeiten», erklärte Floorball Thurgau-Geschäftsführer Jari Schneider. Zudem stand am Wochenende bereits das nächste Heimspiel auf der Agenda, welches mit 7:4 gegen den UHC Alligator Malans gewonnen wurde.
Er selbst konnte nicht mit nach Tschechien reisen. Und auch sonst fehlt er bei einigen Auswärtsspielen. Für die Spielberichte, die er schreibt, kein Problem. «Jedes Spiel, bei dem ich nicht dabei sein kann, verfolge ich per Livestream. So verpasse ich nichts von unserer Mannschaft.» Dass sich Floorball Thurgau mit dem Cup-Sieg für den Champions Cup qualifiziert hat, war eine grosse Leistung. Doch beinahe wäre es fast nicht dazu gekommen. «Zum Champions Cup gab es nach der Qualifikation eine Regeländerung. Die Spiele dauern nur 3x15 Minuten statt 3x20 Minuten. Zudem dürfen nur 14 statt 22 Spieler eingesetzt werden», so Schneider. Der Trainerstaff mache sich daher Gedanken, welche Spieler man für den Champions Cup einsetze. «Natürlich ist es für die überzähligen Spieler eine Enttäuschung. Dennoch sind sie beim Team dabei und supporten neben dem Platz.» Ein Boykott, wie von einem der finnischen Teams, stand nur kurz im Raum. «Wir haben uns sportlich für den Wettbewerb qualifiziert und wollten auch der Mannschaft die Chance nicht nehmen, sich international zu beweisen», betont der Geschäftsführer.
Schleppender Start in der Meisterschaft
In der Meisterschaft hatte der amtierende Cup-Sieger leichte Anlaufschwierigkeiten. Gegen Malans gelang nun erst der zweite Sieg im vierten Spiel. «Ja, der Start war bisher eher verhalten. Wir haben dennoch das Ziel, auch in dieser Saison wieder oben mitzuspielen. Dazu gehört auch, im Cup wieder so weit zu kommen wie möglich. Uns ist aber bewusst, dass die Titelverteidigung enorm schwer wird.» Im Kader hat sich im Vergleich zur Vorsaison nur wenig getan, drei Spieler hätten den Verein verlassen. Bei der Ausländerregelung schöpft Floorball Thurgau nicht ganz aus dem Vollen. «Wir dürfen drei Erwachsene und einen Junioren-Spieler aus dem Ausland einsetzen. Bei den Erwachsenen setzen wir weiterhin auf unsere drei Finnen. Bei den Junioren haben wir keinen Ausländer im Kader.» Man wolle sich hier verstärkt auf die eigene Jugendarbeit konzentrieren. Schliesslich gehöre die Schweiz neben Finnland, Schweden und Tschechien zu den vier Top-Nationen im Unihockey.
Als Hauptberuf nicht lohnenswert
Anders wie in vergleichbaren Sportarten wie etwa Fussball oder Eishockey ist Unihockey ein grosses Stück entfernt, um als Spieler davon leben zu können. «Wir haben professionelle Trainer bei der ersten Mannschaft wie im Nachwuchs. Doch die Spieler müssen neben dem Sport normal zur Arbeit gehen.» Er selbst ist beim Verein angestellt, im 50-Prozent-Pensum. «Ich studiere nebenbei, bin jedoch täglich für den Verein im Einsatz, in jeglicher Form. Es gibt vermutlich keinen Tag, an dem ich nichts zu tun habe», erzählt Jari. Dazu gehören administrative und alltäglich Aufgaben. Wie etwa die Sorge mit der Halle. «Das Problem ist seit Längerem bekannt. In der Paul-Reinhart-Halle Weinfelden haben wir zu wenig Platz. Aufgrund von Brandschutzauflagen dürfen wir nur eine begrenzte Anzahl an Zuschauer hinein lassen, obwohl mehr kommen würden.» Eine Alternative biete sich aktuell in Amriswil. «Wir sind mit dieser Option zwar zufrieden. Langfristig sehen wir uns in Weinfelden, auch weil wir ein Weinfelder Verein sind.»
Von Nico Wrzeszcz