15.01.2026 08:35
Telefonanrufe – ein Ärgernis
Telefonanrufe sind in den letzten Jahren von einer nützlichen Dienstleistung zu einem Ärgernis geworden. Denn die meisten der unbekannten Anrufe werden heute mit der Absicht getätigt, uns etwas Unnützes zu verkaufen oder uns über den Tisch zu ziehen. Ein kritischer Blick auf das Phänomen scheint angebracht, da eine Lösung des Problems nicht in Sicht ist.
Telefonbetrug Wer kennt es nicht: Das Smartphone klingelt und auf dem Display erscheint eine Nummer aus dem Schweizer Fest- oder Mobilfunknetz. Obwohl einem die Nummer nicht bekannt ist und es vor einigen Jahren noch eine Selbstverständlichkeit war, einen solchen Anruf entgegenzunehmen, wehrt sich eine innere Stimme gegen Neugier und Pflichtbewusstsein. Wie soll man auf solche Telefonanrufe reagieren? Ist die Annahme eines solchen überhaupt noch vertretbar?
Da die Kantonspolizei Thurgau im Herbst darüber informierte, dass grosse «Telefonbetrugs-Wellen» über die Region ziehen würden, hat die OBNA beim Kapo-Mediendienst nachgefragt, wie die Situation zum Jahresbeginn aussieht, um welche Betrugsmaschen es sich handelt und wie man sich am besten schützt. Daniel Meili, Experte auf dem Gebiet der Kriminalprävention, gibt Auskunft.
Obwohl die grossen «Telefonbetrugs-Wellen» im neuen Jahr noch nicht über die Region ziehen und die Lage aktuell eher ruhig sei, wird sich die Situation in Zukunft garantiert wieder ändern. Denn Telefonbetrug ist lukrativ für die Gauner. In einigen Fällen sogar sehr lukrativ, erklärt Daniel Meili: «Bei einem erfolgreichen Telefonbetrug können schnell mehrere zehntausend Franken verloren gehen. Ende 2025 haben wir gar einen Fall verzeichnet, wo eine sechsstellige Summe übergeben wurde.» Zudem gebe es auch Fälle, bei denen die Opfer gleich mehrfach Geld übergeben hätten. Aufgrund solcher Tatsachen gehe man auch davon aus, dass es beim Telefonbetrug – wie bei anderen Betrugsformen – eine hohe Dunkelziffer gebe, also viele Fälle gar nie zur Anzeige kommen würden.
Verschiedene Betrugsmaschen
Die zurzeit meistgenutzte Masche sei diejenige, in der sich Anrufer als Mitarbeiter einer angeblichen Banken-Revisionsstelle ausgeben würden, sagt Daniel Meili: «Die Betrüger melden sich als Revisionsstelle der TKB, Raiffeisen, UBS oder anderer Geldinstitute und machen die Opfer auf angebliche verdächtige Transaktionen auf ihren Bankkonten aufmerksam. In der Folge werden die Angerufenen dann aufgefordert, sich über eine Telefonnummer bei der Polizei zu melden.» Nur am anderen Ende der Leitung warte nicht die Polizei auf die Anrufenden, sondern Betrüger, die durch geschickte Gesprächsführung einen davon überzeugen wollen, dass auf ihrer Hausbank Betrüger am Werk seien, die es zu überführen gelte. «Die Opfer werden um Unterstützung gebeten und in der Regel unter einem Vorwand auf die Bank geschickt, um Geld abzuheben. Danach wird ihnen vielfach weis gemacht, dass es sich um Falschgeld handle, dass sie der Staatsanwaltschaft zur Spurensicherung übergeben müssten.» Das angebliche Falschgeld werde dann von einem angeblichen Behördenmitarbeiter abgeholt – das Opfer sehe dieses dann nicht mehr wieder.
Vorsicht vor «Spoofing»
Noch tückischer wird ein Telefonbetrugsversuch dann, wenn eine bekannte Nummer missbräuchlich zum Einsatz kommt. Genau dies geschehe beim sogenannten «Spoofing», erklärt Daniel Meili: «Beim Spoofing wird die Herkunft der Anrufe verschleiert. Betrüger, die beispielsweise aus einem türkischen Callcenter anrufen, können eine Schweizer Natelnummer auf dem Display erscheinen lassen.» Beim Spoofing sei auch schon die Masche «falscher Polizist» eingesetzt worden. So erschien auf gewissen Smartphone-Bildschirmen tatsächlich die 117 oder bei angeblichen Bankmitarbeitern die richtigen Nummern der TKB oder der Raiffeisen. «Dies hilft den Betrügern enorm. Wer die Nummer der Hausbank auf dem Display sieht und einen angeblichen Mitarbeiter in der Leitung hat, schöpft vielfach weniger Verdacht», sagt der Kapo-Mediensprecher.
Obwohl der Bund angekündigt habe, per Anfang 2026 Massnahmen gegen das Spoofing zu ergreifen, sei noch nicht ersichtlich, wann und wie konsequent diese wirken würden. Und anscheinend sind die Betrüger schon einen Schritt weiter, wie einige aktuelle Fälle zeigen würden. «Die Kriminellen lassen in der Schweiz tatsächlich Telefonnummern registrieren und nutzen diese. Das hat für sie den Vorteil, dass die Opfer auch selbst an- respektive zurückrufen können, was die Glaubwürdigkeit steigert», sagt Daniel Meili.
Traue keiner Nummer!
Wie schützt man sich und seine Mitmenschen nun am besten vor Telefonbetrug? Daniel Meili meint, dass es zuallererst helfen würde, das Problem als solches zu erkennen: «Leider ist die (Stammtisch-)Meinung immer noch weit verbreitet, dass nur einige 'senile Senioren' davon betroffen seien. Wir sehen aber immer wieder, dass auch clevere, mitten im Leben stehende Menschen auf dem falschen Fuss erwischt werden können.» Nebst Vorsicht sei darum auch ein gutes Mass an Misstrauen eine gute Präventionsmass-nahme: «So oder so ist es ratsam, nicht der Nummer zu vertrauen, die auf dem Display erscheint.»
www.telefonbetrug.ch
Von David A. Giger