Der bereits gewohnte Goldregen beendete den Thurgauer Sportpreis 2026 im Pentorama in Amriswil.
12.02.2026 07:28
Sport-Highlight im Februar
Am Donnerstag, 5. Februar, versammelte sich die Sport-Elite des Thurgaus ein weiteres Mal im Pentorama in Amriswil, um die Besten der Besten für ihre im letzten Jahr erzielten Leistungen auszuzeichnen. Der unterhaltsame Anlass zeigte wiederum, dass trotz aller Antipathie gegenüber den USA eine gute Show nicht ohne ein bisschen Hollywood auskommt.
Thurgauer Sportpreis Letzte Woche machte sich der Thurgau sportlich noch einmal bemerkbar, bevor die Aufmerksamkeit von allen Sportbegeisterten für einige Wochen in südlichere Gefilde an die Olympischen Winterspiele von Milano und Cortina wanderte. Und der Panathlon Club Thurgau und das Sportamt des Kantons Thurgau taten dies in gewohnt souveräner Manier, so dass der Thurgauer Sportpreis nebst sportlichen Einblicken auch viel Unterhaltung bot. Während der Thurgauer Sportpreis in der Einzelkategorie wie letztes Jahr an die Weltklasse-Para-Leichtathletin Catherine Debrunner ging, gab es in der Team-Kategorie eine Überraschung. Denn nicht ein Serienmeister oder Publikumsmagnet triumphierte, sondern ein Verein in einer Randsportart aus einem 2600-Seelen-Dorf, den bis letzten Sommer niemand auf dem Radar hatte.
Nicht Tripple-Sieger Volley Amriswil, nicht der Wasserball-Serienmeister SC Kreuzlingen und auch nicht die aufstrebenden Hockeyspieler von Floorball Thurgau oder vom HC Thurgau haben dieses Jahr das Rennen um den begehrten Thurgauer Sportpreis gewonnen, sondern der Turnverein Zihlschlacht. «Sie haben mit dem Sieg am Eidgenössischen Turnfest im letzten Jahr Historisches geschafft. Denn sie waren die ersten Sieger überhaupt aus dem Thurgau», ordnete Jan Billeter die Leistung der Turner schon vor deren Sieg ein. Und der bekannte Fernsehmoderator zeigte auch im Interview mit Oberturner Damian Kreis und Fabian Roth, dem mittlerweile zurückgetretenen Präsidenten des Turnvereins Zihlschlacht, dass er sich bestens auf den Abend vorbereitet hatte. Denn wusste er nicht nur, dass 17 der 37 erfolgreichen Turner mittlerweile das Vereinslogo auf ihrer Haut verewigt hatten, sondern er bohrte auch nochmals nach wegen der um einen Hundertstel verpassten Maximalnote. «29,99 ist sensationell. Es zeigt, dass wir eine unglaubliche Kameradschaft haben und uns in jedem Training gegenseitig pushen», entgegnete ihm Damian Kreis.
Zum geschichtsträchtigen Sieg im vergangenen Jahr kam dann bald nach dem Interview ein weiterer dazu. Denn nachdem der dritte Platz an den HC Thurgau und der zweite an Volley Amriswil ging und Thomas Koller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der TKB, schliesslich den Turnverein Zihlschlacht als Gewinner ausrief, wurde es richtig laut in der Halle. Denn es schienen weit mehr als die 37 Turnfest-Sieger im Pentorama anwesend zu sein, so dass mehrere Sitzreihen in gelb leuchteten. Auch auf der Bühne war die Freude riesig. Denn Fabian Roth meinte, dass es alles andere als selbstverständlich sei, dass eine Randsportart wie Nationalturnen überhaupt nominiert sei und bedankte sich darum bei allen Unterstützern. Und er machte bei der Entgegennahme des 3500-Franken-Schecks auch noch klar, dass beim STV Zihlschlacht die Kameradschaft generationsübergreifend ist: «Ein grosser Teil davon wird in die Jugendförderung gehen.»
Thurgauer Legenden
Catherine Debrunner aus Hüttlingen-Mettendorf gewann den Thurgauer Sportpreis bereits zum vierten Mal. Da die Para-Leichtathletin letzte Woche im Trainingslager in Teneriffa war, kommunizierte sie per Videoanruf, der auf Grossleinwand projiziert wurde, mit Moderator Jan Billeter und dem Publikum. «Es bedeutet mir extrem viel, den Rückhalt aus meiner Heimat zu spüren. Und ohne Unterstützung meiner Familie wäre es nicht gegangen», sagte Catherine Debrunner und bedankte sich dann in rührenden Worten bei ihrem Vater Hansruedi, der vor Ort im Pentorama war und für sie die Auszeichnung von Regierungsrätin Denise Neuweiler übergeben bekam. Zudem sprach sich Catherine Debrunner auch für die von Para-Leichtathleten Marcel Hug, der als «Glücksfee» bei der Verlosung von Preisen fürs Publikum agierte, bereits angesprochenen Legenden-Status aus. Diesen Status haben bis vor eine Weile Athletinnen und Athleten nach dreimaligem Gewinn des Thurgauer Sportpreiseses erhalten, was sie im Gegenzug jedoch von einer weiteren Nomination ausschloss. «Ich wäre einverstanden damit, wenn ich diesen Legenden-Status erhalten würde. So könnte man die Bühne frei geben für andere Athletinnen und Athleten im Thurgau», sagte 30-Jährige in der Videoschaltung.
Schwinger Samuel Giger aus Märstetten landete im Schlussranking, zu dem die Voten der Jury, des öffentlichen Votings und der Fachgruppe Sport jeweils einen Drittel beitrugen, auf dem zweiten Platz. Der Spitzenschwinger wurde selbstverständlich auch auf seine jetzige Gefühlslage in Bezug auf das ESAF in Mollis angesprochen. Und obwohl die Enttäuschung gross war, könne er das Ganze nun etwas objektiver einschätzen: «Man muss sich bewusst machen, dass man im Schlussgang war und dass dies doch etwas zählt.»
Auch der auf dem dritten Rang platzierte Schwimmer Flavio Bucca aus Altnau gewährte im Interview mit dem gewohnt souverän agierenden und unterhaltsamen Moderator Jan Billeter Einblicke in seine Gefühlswelt. Selbstkritisch analysierte er seien Start und seine Wenden als verbesserungswürdig und bezeichnete seine Entschlossenheit als grössten Trumpf auf dem Weg zum grossen Ziel Olympische Spiele: «Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann gebe ich in jedem Training alles.» Und auch die starke Schweizer Konkurrenz in seinen Schwimmdisziplinen sei darum für ihn mehr Hilfe als Hindernis: «Ich sehe es positiv, dass ich neben Roman Mityukov schwimmen und von ihm lernen kann.»
Zu den «Newcomerinnen des Jahres» wurden am Anlass die Seglerinnen Malena Rüegge aus Altnau und Liv Wicki aus Romanshorn gekürt. Den Preis für den «Sportförderer des Jahres» erhielt Matthias Gredig aus Affeltrangen für seinen langjährigen Einsatz für die Leichtathletik.
Eine grosse Show
Auch dieses Jahr hatte der Thurgauer Sportpreis wieder viel mehr zu bieten als nur die Verleihung von Preisen. Denn den Veranstaltern ist es wieder gelungen, eine interessante und kurzweilige Sport-Show auf die Bühne zu stellen, die wohl selbst Sport-Uninteressierte zu begeistern wusste. Ihren Anteil daran hatte auch die Soul-and-Blues-Sängerin Larissa Baumann mit ihrer Band, die gemeinsam nicht nur verschiedene Kostproben ihres musikalischen Könnens zum Besten gaben, sondern im Verlaufe der Show immer wieder auch für passende Soundeffekte sorgten. Darum gilt wohl was «Sportministerin» Denise Neuweiler zum Abschluss sagte nicht nur für die Leistungen der Thurgauer Athletinnen und Athleten, sondern auch für den Sportpreis: «Es macht mich stolz, dass wir den Thurgau so in die Welt hinaustragen können.»
Von David A. Giger