GTOB-Präsident Ralf Geisser (links) freut sich mit den «Gewerblern des Jahres», Marc Banderet (rechts) und Dominik Banderet von der Banderet Holz AG.
12.02.2026 07:32
Speed Dating beim Gewerbe
An der Generalversammlung des Gewerbevereins «Gewerbe Thurgau Oberer Bodensee», kurz GTOB, am Mittwoch, 4. Februar, wurde von den anwesenden Mitgliedern für einmal mehr verlangt, als das Abgeben der eigenen Stimme. Denn «Problem Speed Dating» ist eine Aktivität, die sich auf der Suche nach guten Lösungen die Gruppendynamik zunutze machen will.
Arbon Ralf Geisser eröffnete die 136. Generalversammlung im Landenbergsaal des Schlosses Arbon mit erfreulichen Begrüssungsworten: «Wir haben heute mit 100 Anwesenden einen neuen Rekord.» Und in seinem Jahresrückblick unterlegte der GTOB-Präsident dieses Wachstum auch noch mit Zahlen. Denn durch die 23 Neu-Eintritte im Jahr 2025 sei man zum drittgrössten Gewerbeverein im Thurgau aufgestiegen.
Da für die Nachfolge von Andreas Heeb als Vizepräsident des GTOB mit Martin Mäder bereits ein Kandidat bereit steht, konnten alle Traktanden der GV speditiv abgehandelt werden. Nach einem Jahresrückblick von TGshop Sektionspräsidentin Franziska Röhrl, bedankte sich schliesslich Stadtpräsident René Walther bei den Anwesenden für ihren Einsatz für die Region und gewährte einen Einblick in die Bemühungen der Stadt bei der Standortförderung. Diese sei auf vier Säulen aufgebaut, wovon eine die Raumplanung sei, die jedoch immer etwas vergessen gehe: «Wir beraten und begleiten sie gerne. Kommen sie auf uns zu, damit wir das Potenzial bei uns in der Region voll ausschöpfen können.» Als erfolgreiches Beispiel nannte er die Zusammenarbeit der Stadt Arbon mit der Mosterei Möhl, wo trotz schwieriger Voraussetzungen «in Rekordzeit» ein Gestaltungsplan erarbeitet werden konnte.
Unternehmerpreis geht anTraditionsunternehmen
Nach Abschluss der Traktanden stand der Höhepunkt des Abends an – die Bekanntgabe des «Gewerbler des Jahres». Ralf Geisser liess die Spannung nur kurz ansteigen, als er den Gewinner als ein Unternehmen bezeichnete, das es seit 150 Jahren gebe und in fünfter Generation geführt werde. Doch nach Bekanntgabe einiger Zahlen zur Firma, war wohl den meisten Anwesenden klar, dass es sich dabei nur um «Banderet Holz» handeln kann: «Sie lagern auf einem 30'000 Quadratmeter grossen Gelände rund 12'000 Kubik Holz. Das sind in etwa 200 grosse Schiffscontainer.»
Marc Banderet freute sich über die Auszeichnung und bedankte sich beim Publikum und seinem Cousin Dominik Banderet, mit dem er das Geschäft leitet. Und er machte auch klar, dass er nicht mit dieser Auszeichnung gerechnet hatte: «Bis heute Morgen hatte ich eigentlich vor, heute ins Presswerk zu gehen.»
Dating einmal anders
Generalagent Roman Frei sagte dann im Anschluss an die Preisverleihung, dass sie von der Mobiliar noch einen drauflegen könnten, da sie dieses Jahr sogar das 200-Jahr-Jubiläum feiern dürften. Die älteste Versicherung der Schweiz sponserte darum nicht nur den Apéro des Anlasses, sondern sorgte auch für den ungewöhnlichsten Programmpunkt des Abends, das «Problem Speed Dating».
Zuständig dafür war Fabrizio Laneve vom Mobiliar Forum, der Innovationswerkstatt für KMU. Er freue sich riesig, dass er heute über den Mut, eines seiner Herzensthemen referieren dürfe: «Zukunftsfähigkeit braucht Mut. Man muss Mut haben, Fragen zu stellen, etwas wegzulassen oder auch einmal nicht zu wissen.» Jeder Mensch sei jeden Tag mit vielen Entscheidungen konfrontiert, bei denen man mutig sein könne oder nicht. Etwas vom Schlechtesten, was man machen könne, sei sich nicht zu entscheiden. Und darum zahle sich mutig sein sowohl für Menschen als auch für Unternehmen aus: «Bei den meisten Unternehmen fehlt es nicht an Wissen. Was fehlt, ist der gemeinsame Fokus.»
Dies war die Überleitung zum «Problem Speed Dating», bei dem in kleinen Gruppen genau dieser gemeinsame Fokus auf die Lösung eines Alltagsproblems gelegt werden sollte. Durch Umformulierung des Problems und Diskussionen in der Gruppe kreiere man Schwarmintelligenz und schaffe es so, ein Problem auf den Punkt zu bringen. Dies sei auch so beim kostenlosen Angebot des Mobiliar Forums, denn fokussiere man sich auch dort auf die wichtigste Ressource, so Fabrizio Laneve: «Die erfolgreichsten Unternehmen, die ich in den letzten fünf Jahren kennengelernt habe, sind jene, die zwischenmenschlich am stärksten waren. Denn Menschen sind der Erfolgsfaktor Nummer 1 in Unternehmen.»
Von David A. Giger