Sie sind alle überzeugt vom Projekt HolzKraftWerk in Buhwil: (v.l.) Toni Horat, Heinz Keller, Monika Berger, Eliane Horat, Andreas Opprecht und Walter Schönholzer. dag
11.06.2026 07:22
Restholz soll Energie vor Ort liefern
Am Montag, 8. Juni, lud die HolzKraftWerk AG zu einer Medienkonferenz nach Buhwil. Obwohl das geplante Projekt noch in seinen Kinderschuhen steckt, darf es auf breite Unterstützung der Region Kradolf-Schönenberg-Sulgen und des Kantons zählen. Denn regional anfallendes Restholz lokal für die Produktion von erneuerbarer Energie zu nutzen, macht schlicht und einfach Sinn.
Buhwil Initiator des Projekts HolzKraftWerk ist Toni Horat, der Geschäftsführer der ThurHOLZ GmbH. Seine Tätigkeit im Sägewerk und Holzhandel stehen auch am Ursprung des ganzen Projekts: «Die Idee ist nicht aus weltpolitischen Entwicklungen entstanden, sondern sie ist eine rein betriebliche Geschichte.» Es mache Sinn, dass an einem Ort, an dem jährlich 20'000 Kubikmeter Rundholz verarbeitet werde, gleichzeitig auch Energie gewonnen werde, sagte Toni Horat an der Medienkonferenz in der ThurHOLZ GmbH, unweit des Standorts für das geplante Kraftwerk: «Wo man aus 'rund' 'eckig' macht, da fällt Restholz an. Darum ist Buhwil der ideale Standort für das HolzKraftWerk, da die ganze Wertschöpfungskette hier abgedeckt ist.»
Planungen sind bereits am Laufen
Obwohl sich die HolzKraftWerk AG noch immer in der Gründungsphase befindet und für eine Realisierung des ganzen Projekts auch noch einige Hürden überwunden werden müssen, wurden die wichtigsten Abklärungen bereits getätigt. So liegt dem Projekt nicht nur eine umfassende Machbarkeitsstudie eines für Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen spezialisierten Ingenieurbüros zugrunde, sondern auch die Gemeinden Kradolf-Schönenberg und Sulgen sind mit im Boot. «Das ist ein Leuchtturmprojekt, auf das wir als Gemeinde stolz sein könnten. Darum ist es wichtig, dass wir unsere Bürgerinnen und Bürger von einer Umzonung überzeugen können», sagte Heinz Keller, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg. Und auch der Sulgener Gemeindepräsident Andreas Opprecht blies ins gleiche Horn: «Wir begrüssen dieses Projekt sehr. Denn ein Wärmeverbund ist bis jetzt in Sulgen noch nicht zustande gekommen.»
Die Energie, die durch die jährlich anfallenden rund 5600 Tonnen Restholz erzeugt werden könnte, ist beachtlich: Rund 6,1 Gigawatt Fernwärme für 750 Haushalte, 10'000 Tonnen Holzpellets, was für rund 2000 Einfamilienhäuser reicht, sowie drei Gigawatt Strom, der vor Ort mittels Dampfturbine hergestellt werden soll. Zudem würden so rund 250 LKW-Fahrten pro Jahr wegfallen, die jetzt für den Transport des Restholzes gebraucht werden.
Finanziert werden soll das rund 17 Millionen Franken teure Projekt durch die ThurHOLZ GmbH, private Investoren, potenzielle Energieabnehmer und allenfalls auch die öffentliche Hand. Angedacht sind auch andere Vereinbarungen, die ein solch langfristiges Infrastrukturprojekt möglich macht. Die Öffentlichkeit wird aber nicht nur bezüglich allfälliger Investitionen ein Mitspracherecht haben, sondern auch wegen der nötigen Umzonung des vorgesehenen Landes. Denn während die Nutzung der Parzelle im Baurecht mit der Bürgergemeinde Kradolf-Schönenberg gesichert ist, muss das bereits laufende raumplanerische Umzonungsverfahren erst noch erfolgreich abgeschlossen und aus der Landschaftsschutzzone nahe der Thur eine Energiezone gemacht werden.
Kanton begrüsst dasKraftwerk-Projekt
Auch für den Kanton sei das Projekt von herausragender Bedeutung, meinte Regierungsrat Walter Schönholzer am Anlass. Als Chef des Departements für Inneres und Volkswirtschaft ist er für das Thema Energie zuständig und somit auch für die «Energiestrategie 2050 Schweiz», die vom Bund vorgegeben wird. Und da man beim Kanton mit der Umsetzung der geforderten eigenen kantonalen Klimastrategie und eines Energiekonzepts sowieso gefordert sei und nun auch noch Spardruck dazu käme, würden solche Projekte zum Wohle der ganzen Region und des Klimas sehr willkommen sein: «Und Pellets als Speicher, um Wärme vom Sommer- ins Winterhalbjahr zu transferieren, ist etwas ganz Spezielles.»
Ziel des Projekts ist es, im Jahr 2028 erste Wärme zu liefern. Doch bis es so weit ist, müssen noch einige Hürden überwunden werden – dies ist sich auch Eliane Horat von der HolzKraftWerk AG bewusst: «Der Rohstoff ist vorhanden. Nun muss nur noch die ganze Infrastruktur auf der grünen Wiese realisiert werden.»
www.holzkraftwerk.ch
Von David A. Giger