22.01.2026 07:58
KI – Chance oder Gefahr?
Am Mittwoch, 14. Januar, fand im ZIKpunkt in Arbon der erste ZIKtalk des Jahres statt. Bei diesem drehte sich alles um die Künstliche Intelligenz (KI). Die drei eingeladenen Referenten sorgten dafür, dass die in den Raum gestellte Frage – «Alles KI – wem können wir noch trauen?» – umfassend und auf sehr unterschiedliche Weisen beantwortet wurde.
Arbon KI ist in aller Munde. Obwohl die Technologie noch in ihren Kinderschuhen steckt, scheint es dennoch fast so, als würde jetzt schon kein Weg mehr an ihr vorbeiführen. In den Sozialen Medien und vielen anderen Online-Medien ist KI bereits Alltag. Und in verschiedene Tätigkeitsfelder und Lebensbereiche hält sie immer mehr Einzug. Drei Experten auf dem Gebiet gaben am ZIKtalk ihre Einschätzung, wie vertrauenswürdig das Phänomen und sein Einfluss sind. Kommunikationsfachmann Marcel Baumgartner, KI-Experte Marc Faulhaber und der medienafine Feuerwehrmann Raphael Rohner sorgten beim ersten ZIKtalk des Jahres dafür, dass nun bestimmt alle Gäste einiges mehr über die Chancen und Gefahren wissen, die von KI ausgehen.
ZIKpunkt Geschäftsführer Gilbert Piaser, der beim ZIKtalk als Moderator agierte, machte schon in seinen Begrüssungsworten klar, dass man KI nicht auf die leichte Schulter nehmen kann. Denn man werde heutzutage von News und neuen Dingen geradezu belagert. «Sind News noch wirklich News? Oder sind sie alle Fake News?», fragte er in die Runde.
Eine erste Antwort erhielt er von Marcel Baumgartner, der in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Medienhäusern tätig war und die Branche darum bestens kennt. «KI ersetzt vieles, macht es aber darum umso notwendiger, dass nun jeder von uns mehr nachdenkt», erwiderte er auf die Fragen. Obwohl man heute innerhalb von drei Sekunden eine Antwort von KI auf irgendeine Frage habe, dürfe man deshalb nicht vergessen, dass man immer noch selbst denken müsse.
Die Gefahr von KI sehe er zudem nicht in erster Linie in der Fehleranfälligkeit, denn Fehler würden auch ohne KI passieren, sondern vor allem in den von KI gelenkten Algorithmen, die zu Propagandazwecken genutzt werden: «KI-Tools sind ungefähr vor drei Jahren massentauglich geworden. Wenn man sieht, was in den drei Jahren alles passiert ist, will man gar nicht wissen, wohin der Weg noch geht.»
Für die Berichterstattung in den Medien hat er auch einen Tipp: Man soll den Lokaljournalismus stärken. Denn früher habe es einen Tagesschausprecher gegeben, von dem man wusste, dass das, was er sagte, auch stimmte. Heute seien jedoch in vielen Medien Klicks und nicht Quellenchecks gefragt. Doch im Lokaljournalismus führe die Nähe zum Geschehen und der Fakt, dass ein Mensch vor Ort ist, dazu, dass weiterhin Rechenschaft für die eigenen Worte abgelegt werden müsse, sagt Marcel Baumgartner: «Je näher dran man an etwas ist, desto mehr muss man aufpassen, dass das, was man darüber schreibt, auch stimmt. Denn wenn ein Lokaljournalist etwas schreibt, das nicht stimmt, wird er von seinen Mitmenschen garantiert darauf angesprochen.»
Braucht Medienkompetenz
Raphael Rohner aus Romanshorn hat tagtäglich mit KI zu tun. Einerseits als Journalist und andererseits als Leiter der Stabsstelle Kommunikation bei der Stützpunktfeuerwehr Romanshorn. Dass sich mittlerweile auch Blaulichtorganisationen mit dem Thema befassen, überrascht nicht. Wie sie dies jedoch teilweise tun, wohl aber doch. «Willst Du mich kennenlernen? Willst du mit mir schreiben? Bist Du interessiert an Krypto-Investitionen? – Regelmässig erhalte ich solche Nachrichten – und dies auf den offiziellen Kanälen der Feuerwehr Romanshorn», sagt Raphael Rohner. Obwohl er für die Feuerwehr TikTok, Instagram und Facebook beliefere, sei er auch aufgrund solcher Anfragen skeptisch gegenüber KI. Denn bei solchen Kontaktaufnahmen würde es sich offensichtlich oft um Phishing oder andere Betrugsmaschen handeln: «Ich gehe sehr kritisch um mit KI. Denn ohne eine gewisse Medienkompetenz ist KI gefährlich.»
Deshalb seien die Videos von der Feuerwehr Romanshorn, von denen schon mehrere viral gegangen seien, nicht durch KI produziert worden, sagt Raphael Rohner: «Ich kann Videos auch echt und authentisch machen. Das ist das Nonplusultra.» Um zu zeigen, dass gerade bei der Feuerwehr der Unterschied von der realen zu einer künstlichen Welt noch immer riesig sei, erzählte Raphael Rohner von den Erfahrungen, die er mit KI und Fotos von Alltagssituationen der Feuerwehr gemacht habe: «Ich zeigte KI ein Foto eines Brandes und fragte, wie ich handeln soll.» KI habe die Gefahr erkannt und von allen möglichen Risiken gewarnt. Eine unbefriedigende Antwort für einen Feuerwehrmann, weshalb Raphael Rohner ein paar Schritte zur Seite machte, und nach dem Gegenstand griff, der seine Uniform komplettierte: «Der Helm ist das Symbol. Denn obwohl wir das Risiko kennen, probieren wir trotzdem, den Brand zu löschen.»
Ein riesiger, kreativer Spielplatz
Als letzter Referent kam mit Marc Faulhaber ein grosser Fan von KI zu Wort. Der Inhaber von 4PWS produziert seit eineinhalb Jahren verschiedene digitale Produkte für Sport, Mode, Lifestyle und Unterhaltung. Dabei verfolgt er immer den Ansatz «AI first», setzt also komplett auf KI. Und seit gut einem Jahr mache dies richtig Spass: «Die Technologie ist erwachsen. KI-Bilder sind mittlerweile täuschend echt und darum haben Fotos und Videos einen echten 'Filmlook' und können so Emotionen transportieren.»
Und wie schnell solche Bilder und Videos entstehen, zeigte Marc Faulhaber gleich anhand eines Beispiels von sich selbst. Dieses war jedoch so gewagt, dass er kurz zuvor noch seine im Publikum anwesende Mutter warnte. «Ein beliebiges Bild genügt, um mich in einem Spitalbett zu legen. Und um einen 'Video Clone' der Szene herzustellen, genügt ein Video von 4 bis 8 Sekunden von mir», kommentierte Marc Faulhaber die täuschend echt aussehenden Bilder und Videos von sich selbst, die er auf die Wand projizierte. Wer eine solche Technologie beherrsche, könne sicher sehr viel Schlechtes anstellen, jedoch seien vor allem die Möglichkeiten in die entgegengesetzte Richtung faszinierend: «KI gehört keinem, es gehört mir. Darum brauche ich heute keine grossen Teams für Werbekampagnen mehr, sondern kann alles allein machen.»
Dass die Möglichkeiten der Technologie faszinierend und erschreckend zugleich sind, verneint Marc Faulhaber nicht. So sei zum Beispiel ein Enkeltrick denkbar, bei dem mit Voice oder Video Clone eine Person oder ihre Stimme täuschend echt imitiert werden könnte. Nur glaubt er, dass mit guten Absichten die Kreativität künftig so ausgelebt werden kann, wie nie zuvor: «Es gibt keine bessere Zeit als jetzt. Es ist jetzt schon richtig geil – doch es ist noch ganz viel möglich.»
Von David A. Giger