15.12.2025 08:43
Geschenke gegen Einsamkeit
Was wären die Festtage ohne Besinnlichkeit, Geschenke und menschliche Wärme? – Weil Barbara Akermann viele mögliche Antworten auf diese Frage kennen würde, die bedrückend und traurig sind, setzt sich die Niederlassungsleiterin von Dovida in Arbon mit Herz und Enthusiasmus für die Aktion «Gschänkli für Seniore» ihres Arbeitgebers ein.
Arbon Bis Ende Woche hängen an einem Christbaum im Manor in St.Gallen nicht nur Kugeln und anderer glitzernder Weihnachtsschmuck, sondern auch runde, rote Kärtchen, ungefähr so gross wie ein Tassenboden. Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich kaum voneinander, doch bei genauem Hinsehen wird einem klar, dass auf jedem ein individueller Wunsch mitgeteilt wird, dessen Erfüllung dazu beitragen könnte, dass Weihnachten dieses Jahr für einen Menschen mehr stattfindet.
Schweizweit gebe es rund 30 solcher Bäume, die mit rund 4000 Kärtchen geschmückt sind. Die geäusserten Wünsche seien sehr unterschiedlich, aber hätten doch eins gemeinsam, sagt Barbara Akermann: «Es sind alles ganz bescheidene Wünsche. Jemand wünscht sich Wollsocken, jemand ein Pyjama und jemand einen roten Lippenstift.»
Seit 15 Jahren gibt es die Aktion von Dovida, die betagten Menschen, denen es nicht so gut geht, die einsam oder von Armut betroffen sind, eine kleine Freude zu Weihnachten bereiten will. Und Barbara Akermann, die selbst schon 13 Jahre für Dovida arbeitet, ist noch immer Feuer und Flamme für die Aktion: «Einsamkeit im Alter ist ein grosses Thema. Es gibt viele Gründe dafür, doch mit Sicherheit spielt auch der demografische Wandel eine entscheidende Rolle.»
So würden Menschen nicht nur älter werden, sondern auch immer weniger Kinder haben. Diese Entwicklungen würden an niemandem spurlos vorbeigehen, hätten jedoch gerade auf betagte Menschen einen grossen Einfluss. Damit diesem Trend zumindest während der Festtage entgegengewirkt werde, habe Dovida die Aktion «Gschänkli für Seniore» ins Leben gerufen: «Wir sehen in unserer Tätigkeit viele Einzelschicksale, jedoch längst nicht alle. Darum arbeiten wir bei der Aktion mit unseren regionalen Partnern zusammen.» Denn nicht für alle Seniorinnen und Senioren seien Grundpflege und hauswirtschaftliche Leistungen im Eigenheim erschwinglich, weshalb man Geschenke auch an regionale und private Spitex-Dienste, Pro Senectute und Alters- und Pflegeheime in der Region weitergebe. Dass man dann selbst beim schönsten Moment, der Übergabe des Geschenks an Heiligabend, nicht dabei ist, sei nebensächlich: «Hauptsache es ist eine Überraschung, die jemandem Freude bereitet.»
Gelebte Grosszügigkeit
In der Region St.Gallen können dieses Jahr auf diesem Weg rund 300 Wünsche erfüllt werden. Denn dass alle 300 Kärtchen von einem persönlichen «Christkindli» erfüllt werden, davon ist Barbara Akermann überzeugt: «Viele Menschen sind gerade zur Weihnachtszeit bereit, selbst einen kleinen Betrag für die Allgemeinheit zu leisten.»
Um zu zeigen, mit wie viel Herzblut und Mitgefühl diese «Gschänkli» vorbereitet werden, zeigt Barbara Akermann einige Exemplare, die soeben in der Niederlassung in Arbon angekommen sind und auf ihre Weiterleitung zu den Institutionen warten. Die Päckli sind nicht nur schön eingepackt, sondern oftmals auch viel grosszügiger als gewünscht – viele bestehen nicht nur aus mehreren Geschenken, sondern haben auch Weihnachtskarten, persönlich adressiert an den Empfänger. «Die Aktion verläuft zwar anonym, doch auf dem Kärtchen ist nebst dem Wunsch auch der Vorname des Wunschstellers vermerkt», erklärt die Standortleiterin von Dovida. Sie hat zu Illustrationszwecken eine Karte adressiert an Adolf zur Hand, die an Weihnachten garantiert jemandem Freude bereiten wird. Denn wer von einer unbekannten Person nicht nur ein Päckli, sondern auch die Worte «Fühlen Sie sich ganz herzlich gegrüsst und umarmt» geschenkt bekommt, der wird garantiert einen besinnlichen Moment erleben.
Weihnachten zu Hause
Weihnachten ist wohl nirgendwo schöner als zu Hause. Dies glaubt auch Barbara Akermann: «Es berührt mich im Herz, wenn wir Senioren ermöglichen können, weiterhin zu Hause zu leben. Denn ein grosser Teil der betagten Menschen will zu Hause sein und zu Hause sterben.» Dies liege vor allem daran, dass man nichts so gut kenne und sich nirgends so wohl und aufgehoben fühle, wie in den eigenen vier Wänden.
Und nicht nur dies sei ein grosser Vorteil von Dovida gegenüber anderen Institutionen, erklärt die Niederlassungsleiterin, die auch selbst eigene Kundinnen und Kunden betreut: «In der Zeit, die uns zur Verfügung steht, machen wir, was der Kunde von uns wünscht. Und dies in einer Eins-zu-Eins-Beziehung mit denselben Menschen.»
Diese persönliche Beziehung führe dazu, dass Nähe und Vertrauen entstehen würden. Dies sei nicht nur für die Seniorinnen und Senioren etwas Besonderes, sondern auch für die Pflegeleistenden: «Unsere Arbeit ist so sinnstiftend, dass sie für viele mehr Berufung als Beruf ist.» Deshalb müsse die Ausübung von Betreuung und Begleitung eine Passion sein, die der älteren Generation jenen Respekt zukommen lässt, den sie verdient habe, so Barbara Akermann: «Das ist die Generation, die alles entwickelt hat, was wir heute als selbstverständlich betrachten. Ohne sie würden wir heute nicht so gut dastehen, wie wir es alle tun.»
Es gehe darum allen in ihrem Job um das Gleiche, nämlich Seniorinnen und Senioren das bestmögliche Päckli anzubieten, um den Lebensabend dort und auf die Weise verbringen zu können, wo und wie sie es wünschen. Und die Dankbarkeit, die man von den allermeisten Menschen spüren würde, sei enorm gross. Um diese Erfahrung selbst zu machen, müsse man jedoch nicht beruflich einer solchen Tätigkeit nachgehen, sondern einfach die Augen offen halten und etwas feinfühliger sein: «Schauen Sie einmal über den Tellerrand hinaus in ihre Umgebung. Mit Sicherheit gibt es auch dort Menschen, die sich über ein kleines Geschenk oder etwas Zeit freuen würden – und dies nicht nur zu Weihnachten.»
Da die Geschenkübergabe auch aus Datenschutzgründen ohne mediale Beobachtung vonstatten gehen wird, muss diese Geschichte ohne ihren Höhepunkt zum Schluss kommen. Es sei denn, Sie übernehmen diesen Part und beschenken jemanden in Ihrem Umfeld mit etwas Aufmerksamkeit oder einer Kleinigkeit. Wie und wo auch immer diese Geschichte zu Ende geschrieben wird, eines ist gewiss: Sie wird mindestens 300 «Happy Ends» haben.