30.04.2026 07:13
Friede, Freude, Bodensee
Am Samstag, 25. April, fand auf dem Bodensee vor Romanshorn die 53. Internationale Flottensternfahrt statt. Trotz oder vielleicht auch wegen der lauten Nebengeräusche im Vorfeld der gemeinsamen Saisoneröffnung auf dem Bodensee zeigte sich eindrücklich, dass für Seeleute die Freundschaft zu ihren Berufskollegen eine Selbstverständlichkeit ist.
Romanshorn Schon während des Kapitänempfangs am frühen Samstagnachmittag im Kornhaus Romanshorn wurde jedem Gast klar, dass heute ein anderer Wind am Bodensee weht. Benno Gmür, Geschäftsführer der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt, lieferte in seinen Begrüssungsworten darum auch gleich eine Erklärung für die geänderte Wetterlage: «Ich bin nicht hier, um über Kriege in anderen Weltregionen zu sprechen, sondern über den Frieden am Bodensee.»
Obwohl der Akt nur symbolisch war, scheinen die Götter des Bodensees die Geste geschätzt zu haben. Denn nachdem SBS-Chef Benno Gmür und BSB-Chef Norbert Reuter während des Kapitänsempfangs das Kriegsbeil begraben haben, herrschte ausgelassene und harmonische Freudenstimmung auf den sechs Schiffen, die bei der Flottensternfahrt ihre Freundschaft bezeugten.
Grosse Medienpräsenz
Die Bodenseeschifffahrt war in aller Munde und nahezu allen Medien, als letzten Samstag, 25. April, zur 53. Internationalen Flottensternfahrt geladen wurde. Die Streitereien zwischen den Schifffahrtsunternehmen aus der Schweiz und Deutschland schienen unüberbrückbar. «In den letzten zwei Wochen ist einiges passiert», sagte Benno Gmür und meinte, dass so viel Medienpräsenz keine Marketingagentur hingebracht hätte. «Doch wo Reibung entsteht, werden Dinge bewegt», ergänzte er und verkündete die frohe Botschaft, dass der Konflikt in einem Gespräch mit Norbert Reuter, dem Geschäftsführer der Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB) aus der Welt geschafft werden konnte. «Seit heute Morgen um 7 Uhr transportiert die SBS wieder alle Gäste, die ein Ticket der BSB vorweisen können», erklärte Benno Gmür. Im Gegenzug könne das Partyboot «Euregia» den Hafen in Friedrichshafen wieder regulär anfahren und ab dem Jahr 2027 werde Konstanz wieder in den Fahrplan aufgenommen. Und auch ein Thema, das schon lange im Raume lag, habe einen Schritt Richtung Verwirklichung gemacht: «Das Thema einer allgemein gültigen Tageskarte für den gesamten Bodensee wird Ende Mai 2026 aufgegriffen.»
Tag am See
Stadtpräsident Roger Martin begrüsste schliesslich auch noch alle Gäste in Romanshorn und betonte in seinen Worten, wie wichtig die Schifffahrt für die Hafenstadt ist: «Die Schiffe der Weissen Flotte sind nicht nur Ausdruck des technischen Fortschritts in der Schifffahrt, sondern sie sind ein lebendiges Symbol für den Bodensee.»
Kurz darauf wurden jene Menschen vorgestellt und geehrt, die dieses Symbol erst lebendig machen: alle Kapitäne und Schiffsführerinnen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Und dann übernahmen nochmals andere Seeleute das Zepter. Denn die Singing Sailors' Crew unterhielt die Gäste vor dem Kornhaus mit Seemannsliedern, während diese bei sommerlichen Temperaturen einen Apéro genossen.
Im angrenzenden Hafen herrschte zu diesem Zeitpunkt schon Hochbetrieb, denn schliesslich fand der Höhepunkt der Veranstaltung mit Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Während sich die Passagiere auf die sechs Schiffe verteilten, die an der Flottensternenfahrt teilnahmen, informierte ein Moderator per Lautsprecher über die Manöver und Signale, die von den Schiffen durchgeführt wurden und zu hören waren: «Wenn das Horn dreimal kurz ertönt, dann fährt ein Schiff rückwärts. Ertönt es dreimal lang, dann will es in den Hafen einlaufen.» Doch nicht nur Hörner waren zu hören, sondern auf den verschiedenen Booten waren jeweils auch verschiedene Musikkapellen, die mit Dixie, Volksmusik oder Alphornklängen für Stimmung sorgten.
Ein Treffen unter Freunden
Als sich die sechs Schiffe schliesslich auf dem Bodensee vor Romanshorn in Sternformation trafen und die Musikerinnen und Musiker auf den verschiedenen Schiffen gemeinsam das Lied «Die Fischerin vom Bodensee» anstimmten, war der Beweis erbracht, dass die Streitigkeiten in den Chefetagen der Schifffahrtsbetriebe nur am Ufer von Bedeutung sind und auf dem See harmonische Freundschaft herrscht. Und da kleine Geschenke bekanntlich die Freundschaft erhalten, war der Austausch von Sektflaschen zwischen den einzelnen Schiffen nicht nur ein Spektakel von maritimer Navigationskunst, sondern vor allem auch eine Freundschaftsbezeugung unter gleichgesinnten Nachbarn.
Was die 53. Internationale Flottensternfahrt eindrücklich gezeigt hat, ist wie wichtig das Miteinander auf dem Bodensee ist. Roberto Kalin, der für den Bodensee lebt und sich offiziell «Botschafter des Bodensees» nennen darf, fand während der Moderation der 53. Internationalen Flottensternfahrt die richtigen Worte: «Der Bodensee gehört niemandem. Diese Flottensternfahrt soll darum die Freundschaft der Anrainer symbolisieren.» Und es bewahrheitete sich auch, was Benno Gmür bereits beim Kapitänsempfang verkündet hatte: «Der Bodensee ist mehr als nur eine schöne Kulisse.»
Von David A. Giger