12.03.2026 07:58
Filmmusik fasziniert auch ohne Film
Am Sonntag, 8. März, ging im Presswerk ein besonderes Konzert über die Bühne. Denn das Emotion Wind Orchestra spannte mit zwei Chören aus der Region zusammen und zeigte eindrücklich, dass Filmmusik auch ohne eine Auf-führung des dazugehörigen Films zu faszinieren vermag.
Arbon Das Emotion Wind Orchestra ist ein typisches Projektorchester, das sich aus ambitionierten und talentierten Amateurmusikerinnen und -musikern aus der Ostschweiz zusammenstellt, um gemeinsam «anspruchsvolle und mitreissende Konzerte zu gestalten», ist auf der Webseite des seit rund zehn Jahren existierenden Vereins zu erfahren. Und dem Flyer, der im Presswerk vor dem Konzert verteilt wurde, ist zu entnehmen, dass die Realisierung von herausragenden Konzerten als Leuchtturmprojekte der Blasmusik in der Region wirken sollen: «Die Vision des Emotion Wind Orchestra ist es, musikalische Grenzen zu verschieben und mögliche Vorurteile gegenüber traditionelleren Formen der Blasmusik abzubauen.»
Losgelöste Musikspur
Um all diesen Ansprüchen beim derzeitigen Projekt «The Energy of Cinematic Melodies» gerecht zu werden, holte sich das 60-köpfige Blas-orchester die Unterstützung von 60 Stimmen aus der Region. Und als am Sonntagabend der «Chor über dem Bodensee» und der «UniChor St. Gallen» das Emotion Wind Orchestra stimmgewaltig bei Musikstücken aus Kino-Blockbustern wie Gladiator, Tears of the Sun oder Lion King unterstützten, entstand eine Klanggewalt, die man nicht nur im ganzen Saal hörte, sondern auch am ganzen Körper spürte. Die Musik war so mächtig und voluminös, dass die Videoprojektionen der Künstlerin Sabine Burchard, die auf drei an Wellen erinnernden Leinwänden während der Vorführung bestimmter Werke zu sehen waren, fast schon zur Nebensache wurden. Es fand wohl ein gewollter Rollentausch statt, der die Musik vom Film trennte: Das Visuelle war zwar da, nur wurde es der Handlung beraubt. So rückte die Musik vom Hintergrund ins Rampenlicht, wurde von der Begleitung zum zentralen Fokus der Aufmerksamkeit.
Obwohl man annehmen könnte, dass die «Zweck-Beraubung» bei Filmmusik zu langweiligen Nebengeräuschen verkommt, ist bei Musikstücken von Komponisten wie Hans Zimmer und ähnlichen Kalibern das Gegenteil der Fall. Der Verzicht auf die originale Bildspur zeigt erst, mit welcher Macht die Musik auf das Geschehen des Films einwirkt, wie sie mitverantwortlich für die emotionale Achterbahnfahrt ist, die gute Filme ausmacht. Darum wird wohl manch eine Zuhörerin und manch ein Zuhörer in Zukunft Hollywood-Streifen mit anderen Augen sehen und vor allem mit anderen Ohren hören. Denn Komponisten wie Hans Zimmer oder John Williams, der unter anderem die Filmmusik für ET, Star Wars und der Weisse Hai komponierte, sind bester Beweis dafür, dass ein guter Film viel mehr als nur ein Vergnügen für die Augen ist.
Riesiger Aufwand, zwei Konzerte
Für das Emotion Wind Orchestra ist nach den beiden ausverkauften Konzerten in der Tonhalle St.Gallen und im Presswerk Arbon das Projekt «The Energy of Cinematic Melodies» bereits wieder Geschichte. «Es ist Fluch und Segen zugleich», sagt Raphaela Hug, die verantwortlich für das Administrative beim Projektorchester ist. Denn einerseits werde von allen Beteiligten ein grosser Aufwand betrieben, um über ein Dutzend neue Musikstücke zu lernen und einzustudieren. Doch andererseits sei gerade das jetzige Projekt etwas ganz Besonderes: «Mit Filmmusik kann man einfach viele Zuhörer abholen – in der Tonhalle St.Gallen waren es rund 700 und heute auch über 300 hier in Arbon. Darum ist es auch für die Musikerinnen und Musiker etwas ganz Spezielles, das für Gänsehautmomente sorgt.»
Und solche Momente gab es garantiert auch für viele Zuhörerinnen und Zuhörer – und nicht zuletzt auch für den Dirigenten und musikalischen Leiter Gabriel Mayer Hétu. Denn beim Song «You're so cool» war sein zwölfjähriger Sohn Florent Solist an der Marimba und zeigte eindrücklich, dass Musik auch schon in jungen Jahren gefühlt werden kann.Bertold Specker, der das Konzert moderierte und jeweils kurze und prägnante Einführungen in die Musikstücke und die dazugehörigen Filme machte, wusste am Ende des Konzerts dann auch genau, mit welchem Abschiedsgruss er die Gäste auf den Heimweg schicken musste: «Möge der heutige Abend noch lange in ihrem Ohr und ihrem Herz nachhallen.»
www.emotionwindorchestra.ch
Von David A. Giger