28.08.2025 11:37
Erlen feiert 30-Jahr-Jubiläum
Am vergangenen Wochenende herrschte Feierlaune in Erlen. Zum 30-Jahr-Jubiläum der Politischen Gemeinde wurde die Aachtalhalle und deren nähere Umgebung in eine Partymeile verwandelt, auf der die Erlener Bevölkerung gemeinsam und ausgiebig feiern konnte.
Erlen Obwohl die grosse Jubiläumsfeier eigentlich schon im Jahr 2020 hätte stattfinden sollen, musste man in Erlen fünf weitere Jahre auf ein grosses Fest warten. Dass am vergangenen Wochenende nun nicht ein Vierteljahrhundert, sondern ein runder Geburtstag gefeiert wurde, hat die Feierlaune jedoch keineswegs getrübt. Ganz im Gegenteil sogar, meinte Gemeindepräsident Thomas Bosshard in seiner Ansprache: «Die Nachbarschafts- und Freiwilligenhilfe während der Pandemie war sensationell. Corona hat uns noch mehr zu einer eingeschweissten Gemeinschaft gemacht.»
Offizieller Startschuss für die Feierlichkeiten des 30-Jahr-Jubiläums der Politischen Gemeinde Erlen war am Samstagmorgen um 11 Uhr. Doch schon vor dem Beginn des Festaktes wurde in Erlen gefeiert, denn bereits am Freitagabend waren die Seerugge Feger in der Aachtalhalle zu Besuch und das Festzelt auf dem Parkplatz in Betrieb.
Gemeindepräsident Thomas Bosshard eröffnete die offiziellen Feierlichkeiten schliesslich mit der Ankündigung der Brass Band Erlen und Märwil. Er liess es sich jedoch nicht nehmen, zuvor das Organisationskomitee auf die Bühne zu bitten und ihm für den Einsatz zu danken. Nach einem grossen Applaus ging die Show dann richtig los.
Zeiten ändern sich
«Wie haben wir vor 30 Jahren gelebt?», fragte Moderator Andreas Notter das Publikum. Er lieferte dann gleich auch eine kurze Antwort: «Damals gab es noch kein Internet, keine Handys und in den roten Abteilen im Zug durfte man noch rauchen.» Um zu erfahren, wie die Geschichte der Politischen Gemeinde Erlen ihren Anfang nahm, die 1995 aus der ehemaligen Munizipalgemeinde Erlen und den Ortsgemeinden Buchackern, Engishofen, Ennetaach, Erlen, Kümmertshausen sowie dem vorher zu Sulgen gehörenden Riedt entstanden ist, übergab er das Wort an den ersten Gemeindeamman. Willi Kreis ging in einem Rückblick auf verschiedene Herausforderungen und Ereignisse seiner zwölfjährigen Tätigkeit als Gemeindeoberhaupt ein. Und er glaubt noch heute, dass damals richtig gehandelt wurde: «Der Zusammenschluss war der einzig richtige Entscheid, denn die vorherige Konstellation wäre heute nicht mehr effizient und zeitgemäss zu bewerkstelligen.»
Auch sein Nachfolger Roman Brülisauer, der von 2007 bis 2019 die Geschicke der Gemeinde Erlen führte, ging auf verschiedene Errungenschaften und Ereignisse seiner Amtszeit ein. Mehrmals betonte er, wie wichtig es gewesen sei, dass man am gleichen Strick gezogen habe: «Denn miteinander kann man mehr erreichen als allein.»
Schliesslich war der amtierende Gemeindepräsident an der Reihe, um seine Worte ans Publikum zu richten. Und auch Thomas Bosshard glaubt, dass sich der Zusammenschluss der sechs Ortsgemeinden vor dreissig Jahren bewährt habe, auch wenn am Anfang nicht alle dieser Meinung gewesen seien: «Immer mehr Menschen konnten sich mit diesem Entscheid identifizieren. Denn sonst wären wir nicht hier, wo wir jetzt sind.» Dies habe man nur erreicht, da in der Gemeinde Erlen das Wichtigste für eine Gemeinde immer hohen Stellenwert genoss – Identität und das Miteinander. Und deshalb habe man trotz ständiger Herausforderungen – so zum Beispiel die hohe Personalfluktuation im letzten Jahr – auch heute wieder ein gutes Team zusammen.
Da Thomas Bosshard erst der dritte Gemeindepräsident der Politischen Gemeinde Erlen ist und seine beiden Vorgänger jeweils zwölf Jahre im Amt waren, stellte Andreas Notter den Amtsinhaber zum Schluss noch die offensichtliche Frage, ob man auch noch ein paar weitere Jahre mit seinem Engagement rechnen dürfe. «Wenn die Bevölkerung mitmacht, dann mach auch ich das Dutzend voll», meinte Thomas Bosshard.
Ein Schweizer Originalals Stargast
Am Nachmittag kam dann «Dä Brüeder vom Heinz» in Erlen zu Besuch und führte den «Erlen-Song» auf. Dieser war extra als grosse Überraschung für das 25-Jahr-Jubiläum produziert worden. Da diese Feierlichkeiten aufgrund von Corona ins Wasser fielen, wurde das Lied ohne grosses Fest lanciert und war darum schon in aller Munde. Vor der Aachtalhalle sorgten zudem verschiedene Stände dafür, dass weder Hunger noch Durst auf die Feierlaune drückten. Und auch für Spiel und Spass für die jüngeren Gäste wurde mit Kranvelo, Bullriding, Bungee-trampolin und vielen weiteren Attraktionen gesorgt.
Am Abend stand dann der Höhepunkt des Jubiläumsfests auf dem Programm, denn kein geringerer als der «wohl bekannteste Komiker der Schweiz» erwies Erlen die Ehre. Dass Peach Weber auch nach über 45 Jahren Bühnenpräsenz noch immer relevant und beliebt ist, zeugt nicht nur von einer unglaublichen Produktivität, sondern auch von einem grossen Einfühlungsvermögen. Er schafft es immer wieder, den Nerv der Zeit zu treffen, also sozusagen die Gegenwart auf den Arm zu nehmen. Auch am Samstagabend gelang ihm dies vortrefflich. «Ich habe überhaupt nichts gegen Vegetarier – ich finde vegetieren gut», meinte er zum Beispiel zu heutigen Essgewohnheiten. Und Essen und Trinken habe auch bei seiner Berufswahl eine wichtige Rolle gespielt: «Eigentlich wollte ich Theologie studieren, habe dann aber gemerkt, dass ich Kaffee doch lieber mag.»
Einige seiner Witze sind so flach, dass selbst Peach Weber sie nicht kommentarlos präsentieren kann. «So ein blöder Witz», meint er zum Beispiel zu einem. «Ehrenwort, manchmal frage ich mich selbst, wie ich auf so etwas komme», bemerkte er nach einem anderen.
Ganz nebenbei erfährt man wohl auch, wie es der Komiker schafft, während einer Stunde einen Witz nach dem anderen zum Besten zu geben. «Ich brauche gar keine Hobbys, denn mir kommt ständig irgend-etwas in den Sinn», meinte er einmal beiläufig. Und genau diese zwanghafte Produktivität scheint es zu sein, die ihn bei einem so breiten Publikum beliebt macht. Denn auch wenn kaum jemand jeden Witz von Peach Weber lustig findet, dauert es bei dem Tempo, das der Komiker einschlägt, garantiert nicht lange, bis einer kommt, den man lustig findet. Dass die Aachtalhalle nur halbvoll war, lag darum garantiert nicht an Peach Weber, sondern wohl eher daran, dass man für die Show Eintritt bezahlen musste. HättePeach Weber dies gewusst, hätte er garantiert einen Witz über diese doch eher ungewöhnliche Praxis an einer Geburtstagsfeier gemacht.
Obwohl Peach Weber auch über seine bald anstehende Pension sprach, kann man sich die Schweizer Comedy-Welt ohne ihn gar nicht vorstellen. So wohl, wie er sich auf der Bühne gibt, und so natürlich die Unterhaltung eines Publikums für ihn ist, wird doch irgendwann der Zeitpunkt kommen. Und für diesen wünscht sich der Komiker nur eins: «Oben fit und unten dicht, mehr will ich vom Alter nicht.»
Von David A. Giger