Brunnenmeister Remo Strasser gewährt Einblick in den Reinwasser-Bereich im Sammelbauwerk der Quellen Enkhüseren.
25.06.2026 07:59
Drei Quellen für die Wasserversorgung
Letzten Freitag, 19. Juni, luden die Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell (TGB) zu einer Informationsveranstaltung über die Sanierung der Quellen Enkhüseren. Beim Anlass lieferte der Bischofszeller Brunnenmeister Remo Strasser nicht nur viele Infos zum seit 100 Jahren geförderten Quellwasser, sondern gewährte auch Einblicke in die Wasserversorgungsplanung der Stadt.
Bischofszell Dass eine Wasserquelle nicht zwingend Quellwasser produziert, kann am Beispiel der Wasserversorgung der Stadt Bischofszell illustriert werden. Denn die 700 bis 1200 Kubik Wasser pro Tag, die seit der kürzlich beendeten Sanierung der Quellen Enkhüseren der Stadt zur Verfügung stehen, machen nur eine von drei verschiedenen Bezugsquellen aus. «Nebst dem Quellwasser beziehen wir auch Wasser vom Sewasserwerk Romanshorn sowie Grundwasser aus zwei Fassungen südwestlich von Bischofszell», sagt Brunnenmeister Remo Strasser während einer Besichtigung der kürzlich fertiggestellten Anlagen der Quellen Enkhüseren, an der der Bischofszeller Stadtrat, die Betriebskommission und der Verwaltungsrat teilnahmen.
Die Grundidee bei der generellen Wasserversorgungsplanung sei es nämlich immer, mindestens zwei Standbeine zu haben. Und obwohl Quell- und Grundwasser häufig eine ähnliche Zusammensetzung habe und vielleicht sogar aus dem gleichen Gebiet komme, bestimme die Förderart die Bezeichnung des jeweiligen Wassers, sagt der Bischofszeller Brunnenmeister: «Der grundlegende Unterschied ist, dass Quellwasser entspringt und Grundwasser gefördert werden muss.» Rechtlich gebe es jedoch noch einen weiteren Unterschied. Und dieser spiele bei der Quelle in Enkhüseren eine wichtige Rolle, denn das Grundstück eines Privaten, auf dem das Quellwasser entspringt, gehört zur Gemeinde Niederhelfenschwil und liegt somit im Kanton St.Gallen. «Das Quellrecht liegt jeweils beim Grundstückbesitzer, Grundwasser gehört jedoch dem Kanton», erklärt Remo Strasser. Mit dem privaten Eigentümer besteht schon seitdem die Quelle genutzt wird, ein Quellrecht, das es der TGB erlaubt, Wasser für die Bevölkerung abzuleiten.
Ein heikles Unterfangen
Die Sanierung einer Quelle ist ein schwieriges Unterfangen. Denn Quellen reagieren auf bauliche Eingriffe oftmals nicht wie gewünscht, sagt Remo Strasser während der Besichtigung der neuen Anlage: «Man darf Quellwasser nie einstauen, denn Wasser findet immer einen neuen Weg. Deshalb kann man mit nur wenig Einfluss eine Quelle zerstören.»
Damit dies während der Bauphase, in der fünf neue Brunnenstuben und ein Sammelbauwerk installiert wurden, nicht passierte, wurde das Wasser ein halbes Jahr lang abgeleitet.
Hauptgrund für die Sanierung war jedoch ein natürliches Phänomen, das häufig bei Quellen auftrete, die in einem Waldgebiet liegen, informiert Remo Strasser: «Wir hatten so starken Wurzeleinwuchs, dass die Erträge rückläufig waren.» Bäume würden immer einen Weg zum Wasser finden, was gerade im Wald oft zu Problemen führe. Doch während die Quellschächte erneuert werden mussten, würden die rund 100-jährigen Quellfassungen ihren Job noch immer machen: «Sie sammeln durch Kiesschichten das Wasser im Gelände und leiten es schliesslich in eine der Brunnenstuben, wo es gesammelt und beruhigt wird.»
Im Quellgebiet selbst deuten heute nur fünf runde, silberne Schachtabdeckungen auf den Ort der Brunnenstuben und eine Türe auf am Wegrand auf das Sammelbauwerk hin. «Man sieht hier nicht viel vom Projekt, da das meiste unterirdisch ist und die Baustelle renaturiert wurde», sagt Remo Strasser.
Wasser lebt
Obwohl bei der rund eine Million Franken teuren Sanierung nur neuste Materialien verwendet wurden, dauere es immer einige Wochen, bis das gesammelte Wasser die neuen Leitungsrohre mit einem Biofilm überzogen habe und es so stabilisiere, erklärt der Brunnenmeister: «Wasser lebt, es ist nicht tot. Es ist ein Naturprodukt, das organische Stoffe drin hat.» Erst dadurch, dass Wasser lebe, sei es möglich, eine konstante Wasserqualität zu erreichen. Dass es dabei dennoch Unterschiede in der Zusammensetzung gebe, sei weniger wichtig: «Das in den einzelnen Brunnenstuben gesammelte Wasser hat nicht alles die gleichen Eigenschaften. Eines hat mehr Kalzium, das andere mehr Magnesium.» Man wisse nicht exakt, wo genau das Wasser herkomme, da hierfür Sondage-Bohrungen durchgeführt werden müssten. «Doch der Ursprung des Wassers hängt sicher mit dem Lauf des Mühlibachs zusammen, der hier durchfliesst», sagt Remo Strasser.
Um der Bischofszeller Bevölkerung und vor allem auch der Industrie, die einen grossen Teil des Wassers verbraucht, konstant qualitativ hochwertiges Wasser zu liefern, wird im neuen Sammelbauwerk das Wasser konstant überprüft. Sobald die Anforderungen nicht mehr gegeben wären, würde das Wasser in den «Verwurf» geleitet, sagt Remo Strasser: «So kannst du sicherstellen, dass du nie Wasser abgibst, das nicht den Qualitätsansprüchen entspricht.» Und auch wenn einmal eine Bezugsquelle verunreinigt wäre, sei die Versorgungssicherheit Bischofszells doch immer gewährleistet, denn das Netz sei so aufgebaut, dass sich die verschiedenen Bezugsquellen gegenseitig stützen.
Erstaunlich ist, wie genau die Qualität von Wasser heute beurteilt werden kann. Remo Strasser nennt zur Veranschaulichung ein eindrückliches Beispiel: «Einen Würfelzucker im Bodensee kannst du heute nachweisen.» Darum könne man mittlerweile ganz viele Rückstände von verschiedenen Stoffen im Wasser feststellen – seien dies bestimmte Medikamente oder PFAS-Verbindungen. Doch Remo Strasser beunruhigt dies überhaupt nicht, denn er ist der festen Überzeugung, dass die Dosis erst das Gift mache: «Die Konzentrationen in unserem Wasser sind so winzig, dass du viel eher an einer Wasservergiftung stirbst.»
Von David A. Giger