19.02.2026 09:10
Businesslunch mit einem Extra
Drei- bis viermal im Jahr treffen sich Mitglieder des Gewerbevereins Amriswil im Wasserschloss Hagenwil zu einem gemeinsamen Businesslunch. Letzten Freitag, 13. Februar, wurde wie gewohnt nicht nur gemeinsam gespiesen, sondern Miriam Jäckle gewährte auch einen Einblick in ihre Tätigkeit bei der Spital Thurgau AG und beim Hospiz Oberthurgau.
Hagenwil 32 Mitglieder des Gewerbevereins Amriswil trafen sich letzten Freitag im Mostkeller des Wasserschlosses, um gemeinsam zu Mittag zu essen und einem Referat von Miriam Jäckle zuzuhören, die von ihrem Alltag als Bereichsleiterin Pflege Medizin bei der Spital Thurgau AG erzählte. Genau solche Veranstaltungen würden dazu beitragen, dass der Gewerbeverein Amriswil als aktiver Verein wahrgenommen werde, der auch auf junge Gewerbler und zugezogene Firmen attraktiv wirke, ist Vereinspräsident René Stahel überzeugt: «Denn der Businesslunch ist keine Verkaufsplattform. Bei uns stehen immer spannende Geschichten aus Wirtschaft, Sport und Politik im Mittelpunkt.».
Neidische Nachbarkantone
Schon kurz nachdem der «Kaffee nach dem Essen» serviert wurde, begann Miriam Jäckle mit ihren Ausführungen. Und was sie über die Spital Thurgau AG zu berichten hatte, war erfreulich. Denn obwohl die hiesigen Spitäler als selbstständige AG geführt und sie darum wie Privatspitäler keine Subventionen erhalten würden, sei man gut aufgestellt. «Wir sind hier im Thurgau in einer sehr komfortablen Situation. Und dies nicht nur was die medizinische Abdeckung anbelangt, sondern auch steuertechnisch.» So gebe es in der Thurmed-Gruppe, zu der nebst der Spital Thurgau AG auch Thurmed Immobilien und weitere gesundheitsrelevante Sparten gehören, keine Spitalkrise, wie in anderen Kantonen, sondern könne man aufgrund des erwirtschafteten Gewinns von den Thurgauer Spitalern als Musterschülerinnen sprechen, so Miriam Jäckle: «Darum schauen andere Kantone neidisch auf den Kanton Thurgau. Und darum war Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider auch schon bei uns zu Besuch.»
In einem kurzen historischen Rückblick ging Miriam Jäckle auch auf die Anfänge der Thurgauer Spitäler ein. So sei 1823 das erste Gesellenkrankenhaus in Frauenfeld gegründet worden, deren Dienstleistungen sich jedoch nicht mit den heutigen vergleichen liessen: «Damals wurden nur junge Menschen behandelt. Wer über 65 Jahre alt war, galt als alt und durfte nicht ins Spital.» Wahrscheinlich wurde auch damals dem Personal noch nicht so Sorge getragen wie heute. Denn obwohl in anderen Kantonen die Personalsituation bereits angespannt sei und viele Herausforderungen erst kommen würden, seien die Thurgauer Spitäler auch diesbezüglich beispielhaft: «Wir schauen gut auf unser Personal. Denn unsere Mitarbeitenden sind unser Herzstück.»
Herzensprojekt Hospizwohnung
Zum Schluss kam Miriam Jäckle noch auf ein «Herzensprojekt» von ihr zu sprechen. Denn seit Kurzem gebe es eine betreute Wohnung in Amriswil, die schwerkranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase ein würdevolles, ruhiges und individuell angepasstes Umfeld bieten würde. «Stadtrat Claude Brunner hatte eine gute Idee, als es um die Realisierung einer Hospiz Wohnung in der Region ging. Darum gibt es jetzt den Verein Hospiz Oberthurgau», erklärt die Präsidentin des neu gegründeten Vereins. Durch Spenden der Bevölkerung sei es nun möglich, die Miete für die Hospizwohnung auch dann zu bezahlen, wenn sie einmal nicht besetzt sei: «DiePflege und Behandlung erfolgt auch bei uns durch die Spitex Oberthurgau, in enger Zusammenarbeit mit Palliative Plus und dem APZ.»
Dass der Hospiz Oberthurgau ein Herzensprojekt für die Amriswilerin ist, dafür ist nicht nur ihre soziale Ader verantwortlich. Denn sie habe vor einigen Jahren selbst miterlebt, wie ein Freund Anfang 30 schwer erkrankte und er seine letzten Tage in einem Altersheim verbringen musste. «Da wurde mir bewusst, wie wertvoll eine Hospizwohnung auch bei uns wäre. Denn speziell für junge Menschen ist es wichtig, die letzten Tage an einem Ort zu verbringen, an dem Freunde und Angehörige ständig ein- und ausgehen können», sagt Miriam Jäckle.
Deshalb hat die Präsidentin des Vereins nicht nur organisatorisch bei der Realisierung der Wohnung mitgewirkt, sondern sie hat auch selbst Hand angelegt: «Ich war in den letzten Wochen einige Mal unterwegs, um Einrichtungsgegenstände zu kaufen. Jetzt steht alles bereit – selbst Salz und Pfeffer, Essig und Öl, falls jemand einmal selbst etwas kochen will.» Solche Kleinigkeiten mögen für viele nebensächlich sein. Doch für Miriam Jäckle gehören sie einfach zu der Philosophie, die sie beimHospiz Oberthurgau verfolgt: «Das Hospiz soll kein Ort des Sterbens, sondern des Lebens bis zuletzt sein.»
www.hospiz-oberthurgau.ch
Von David A. Giger