15.08.2025 08:18
Bereit fürs neue Schuljahr
Am Montag starteten die Thurgauer Schulen ins neue Schuljahr. Dank eines eingespielten Teams, das den Hauptfokus stets auf die Bildung unserer Kinder gerichtet hat, konnten auch dieses Jahr zahlreiche Herausforderungen gemeistert werden, um den rund 33'000 Kindern und Jugendlichen im Kanton einen reibungslosen Schulstart zu ermöglichen.
Schulstart Im Sekundarschulhaus Reckholdern in Romanshorn wurden am Freitag, 8. August, die Medien über den anstehenden Schulstart informiert. Dass das Departement für Erziehung und Kultur, der Verband Thurgauer Schulgemeinden und Vertreter der Sekundarschule Romanshorn gemeinsam über das neue Schuljahr informierten, machte schon im Vornherein deutlich, dass unser Schulsystem mitunter auch so gut funktioniert, weil bei uns für die Bildung unserer Kinder zusammengearbeitet wird.
«Eine gute Bildung können wir nur bieten, wenn wir alle am gleichen Strick ziehen», fasste Regierungsrätin Denise Neuwiler diese von allen Seiten geschätzte Zusammenarbeit an der Medienkonferenz zusammen. Die Chefin des Departements für Erziehung und Kultur sagte auch, dass diese sehr gute Zusammenarbeit im Thurgauer Schulsystem gelebter Föderalisimus sei: «Uns ist die Gemeindeautonomie wichtig. Wir wollen uns darum nur dort einbringen, wo es nötig ist, nur dort korrigieren, wo Grundrechte der Bildung nicht eingehalten werden.»
Die immer gleichenHerausforderungen
Dass auch dieses Jahr alle Involvierten gefordert waren, um den 87 Schulgemeinden im Kanton einen reibungslosen Start ins neue Schuljahr zu ermöglichen, ist keine Überraschung. «Vor allem die Herausforderungen der Personal- und Schulraumplanung waren für alle Schulgemeinden gross», erklärt Heinz Leuenberger, Präsident des Verbands Thurgauer Schulgemeinden. Da der Verband stets versuche, die Schulgemeinden so gut wie möglich zu unterstützen, habe man zusammen mit dem Amt für Volksschule, mit Vertretungen der Schulgemeinden und Expertinnen und Experten aus dem Baugewerbe einen Leitfaden für die die Schulraumplanung erarbeitet. «Mit diesem Leitfaden möchten wir den Schulgemeinden und den für Bauvorhaben zuständigen Personen eine Strukturierungs- und Orientierungshilfe bei der Entwicklung einer Immobilienstrategie und der Umsetzung von Bauprojekten geben», erklärt Heinz Leuenberger, der in 36 Jahren als Erlener Schulpräsident viel Erfahrung auf dem Gebiet sammeln konnte.
Und auch die zweite Herausforderung, die in den Medien oft unter dem Stichwort «Lehrermangel» diskutiert wird, konnte noch vor Beginn des Schuljahres gemeistert werden. Denn für alle rund 6'400 Kindergartenkinder, 18'800 Primarschulkinder und 8'100 Jugendliche in der Sekundarschule konnten erfolgreich Lehrpersonen gefunden werden. Obwohl auch dieses Jahr die Rekrutierung von genügend Lehrpersonen ein grosser Aufwand für die Schulleitungen und Schulbehörden gewesen sei und einige befristete Stellen mit Personal ohne anerkanntem Lehrdiplom besetzt werden mussten, blickt Beat Brüllmann, Chef des Amts für Volksschule, positiv in die Zukunft. Denn die riesigen Anstrengungen der PH Thurgau, ein grösseres Ausbildungsangebot zu bieten, hätten Früchte getragen: «Dass der Lehrberuf bei Studieneinsteigerinnen und -einsteigern nach wie vor beliebt ist, spricht dafür, dass die Idee einer breit getragenen Volksschule weiterhin Zugkraft hat.»
Immer neue Herausforderungen
Als grosse Herausforderung für die Zukunft wurde an der Medienkonferenz auch die kontinuierlich steigende Sonderschulquote erwähnt, die im Thurgau mittlerweile bei 3,4 Prozent und rund 1200 Schülerinnen und Schülern liegt. Dieses Phänomen sei nicht nur im Thurgau, sondern schweizweit an Schulen zu beobachten, erklärte Regierungsrätin Denise Neuweiler. Mögliche Ursachen seien eine höhere Sensibilisierung, Einflüsse der Digitalisierung, Umwelteinflüsse und gesellschaftliche Entwicklungen. Jedoch sei das Finden von einfachen Lösungen nicht wünschenswert, da wohl oft mehrere Ursachen gemeinsam wirken würden: «Als Schulsystem müssen wir uns dem bestehenden Förderbedarf annehmen. Gleichzeitig müssen wir in der Gesellschaft und in der Politik eine Diskussion führen, um herauszufinden, was zu einer wachsenden Anzahl von Sonderschülern führt.» Diese Optimierung des Systems und der Bedingungen müsse jedoch Schritt für Schritt geschehen, als Evolution und nicht als Revolution, denn könne ein Fehler nicht einfach durch eine Wiederholung korrigiert werden: «Wir müssen schauen, dass das System nicht überlastet wird. Denn Kinder sind nur einmal in der Schule.»
Dass die Herausforderungen der Schule nicht so schnell ausgehen werden, zeigen auch zwei Themen, die während der «Ferienarbeitstage» in der Romanshorner Sekundarschule behandelt wurden. Nebst «Absentismus», dem häufigen oder längeren Fernbleiben vom Unterricht, beschäftigte sich die Romanshorner Sekundarlehrerschaft auch mit einem anderen hochaktuellen Thema, verriet Sekundarschulleiter Markus Villiger: «Wie geht man mit KI im Unterricht um? Dieser Frage gehen unsere Lehrerinnen und Lehrer momentan in einer Weiterbildung der PH Thurgau nach.»
Dass diese Frage in Schulen in der ganzen Schweiz diskutiert wird, war auch in der letzten NZZ am Sonntag nachzulesen, die dem Thema einen grossen Artikel widmete und provokant fragte, wozu wir eigentlich noch Lehrer brauchen. Eine klare Antwort lieferte der Artikel jedoch nicht, sondern hob nur die immer wichtiger werdenden menschlich Fähigkeiten wie Kommunikation, Kooperation, kritisches Denken und Kreativität hervor. Deshalb scheint die falsche Frage gestellt worden zu sein – insbesondere für ein Schulsystem, das funktioniert und zu den besten der Welt gehört. Die Frage, die wir uns besser stellen müssten, lautet darum: Wozu brauchen wir eigentlich KI? Denn bei uns hat die Schule ohne sie funktioniert – und sie wird auch weiterhin ohne sie funktionieren.
Von David A. Giger